Ja. Denn ich hab' eine 1. In Worten: Eins. Ich. Ohne zu schummeln. Ich. Das eröffnet mir ganz neue Perspektiven; am Ende ist mein Hirn gar nicht so aufnahmeunfähig, wie ich bisher dachte.
An dieser Stelle möchte ich meinem Herzblatt danken, das mich a.) zur Prüfung begleitet hat und b.) meine Prüfungshysterie mit stoischer Ruhe über sich ergehen liess. Danke Herzblatt, ich lieb' Dich.
Die Prüfung selbst war
der Hammer; der Hammer schlechthin, um einen von Stefan Raab's Nippeln zu zitieren. Ich klopfte an Professor's Tür, wartete, wartete, wartete und ja. Wartete. Niemand bat mich herein oder sagte
Verpiss Dich oder so. Während ich also vor einer vermeintlich verschlossenen Türe stand, mir Mühe gab, die Prüfungshysterie-Tränen zurückzuhalten und so tat, als würde ich konzentriert das Namensschild an der Türe zu studieren, liefen etwa dreitausend Menschen an mir vorbei. Als ich gerade so weit war, wieder zu gehen (ich meine, so eine Situation ist für einen Prüfungsphobiker wirklich nicht lustig), hörte ich drinnen Rascheln und jemanden, der in eine Tastatur haut, und da wurde es mir zu blöd und ich klopfte nochmal energisch.
Ja!, tönte es auf einmal. Einen Funken zu ungehalten für meine überstrapazierten Nerven, aber gut. Ich kam rein, der gute Mann kuckte mich an, schien mich aber nicht wirklich zu erkennen, und da setzte dann mein Hirn aus. Anstatt
Guten Tag oder eine ähnliche Floskel rauszuwürgen, starrte ich ihn an und stammelte irgendwas à la
Äh... Prüfung? Dabei fragte ich mich, wo das verdammte Sofa ist, von dem er erzählt hat (nicht, dass ich vorgehabt hätte, mich lasziv am Sofa zu räkeln und ihn mit gespreizten Beinen einen Blick auf meine nuttenroten Strapse werfen zu lassen - der Mann ist gegen weibliche Reize weitestgehend immun - aber ein bisschen Caféhaus-Atmosphäre ist in angespannten Situationen niemals falsch). Ok, kein Sofa, dafür ein hässlicher Tisch und unbequeme Sessel, aber man ist ja nicht wählerisch.
Dann erzählen Sie mal was. Klar. Kein Problem. Hab' ich alles geübt. Und zur Erklärung für diejenigen, die mir nicht ins Hirn sehen können: Um Rumänisch ging es. Die Sprache, für deren gründliche Erlernung ich letztes Semester meine wertvolle Zeit geopfert habe, wie ich sowohl
hier als auch
hier erwähnte. Blöderweise kam ich, während ich also drauflosquatschte, auf die glorreiche Idee, den vorbereiteten Text zu verwerfen und dem Professor etwas anderes zu erzählen, was dann in
Ja, ähm, äh, öhm, äh endete und ich beschloss, zur ursprünglichen Version zurückzukehren. Dann unterbrach er mich, spulte irgendwas von Verben, zusammengesetzten Perfekten, Präpositionen und irgendeiner Person im Singular ab und ich schwieg betroffen. Ich meine, was zum Henker ist ein zusammengesetztes Perfekt? Was eine Präposition? Nachdem ich ihn bat, das Ganze zu wiederholen (man muss Zeit schinden, nur darauf kommt es an), überlegte ich noch ein bisschen und beschloss, alles auf eine Karte zu setzen.
Ich habe einen ausgeprägten Hang zur Dramatik. Gut, er will also ein Verb in irgendeiner Person in einer mir unbekannten Zeit, mit ein paar mir unbekannten Zugaben. Schaff ich, kein Ding. Ich murmelte also etwas, das mir passend erschien, er sagte
Ja, stimmt, -ohoo! aber bitte in einer Präposition. Ich hatte immer noch keinen Schimmer, was er mit dieser Scheiss-Präposition von mir wollte, aber man darf sich seine Unkenntnis ja nicht anmerken lassen. Ich verpackte mein
ohoo!- stimmendes Verb also in irgendeinen Satz und -
ohoo! vernahm ein zufriedenes
Sehr gut. Während ich tief ausatmete (in Stressituationen vergesse ich manchmal zu atmen, wie schon meine Physiotherapeutin mit Schrecken feststellen musste), wollte er zu meinem Entsetzen ein Nomen im Dativ, irgendeinem anderen - mir natürlich ebenfalls unbekannten - Zusatz und wieder mit dieser verfluchten Präposition. Blöderweise kapierte ich ziemlich schnell, dass ich gerade das gefragt wurde, was ich mir aus Mangel an Verständnis gar nicht erst angeschaut habe. Jipiiiiieh. Ich versuchte also, logisch zu denken (und das, obwohl mir vor einiger Zeit von meinem meiner Professoren nahegelegt wurde, solche Versuche im Zukunft besser bleiben zu lassen) und - naja, ich will mich ja nicht selbst loben, aber ich hab's schon drauf. Das muss mal so gesagt werden. Darauf schrieb mein neuer Lieblingsprofessor eine 1, in Worten Eins, neben meinen Namen und bedankte sich. Mit den Worten
Wenn ich sehe, dass es einer kann, muss ich ja nicht noch krampfhaft drumherum reden. Ich dachte mir zwar noch, dass
drumherum reden etwas daneben ausgedrückt ist, denn die ganze Prozedur hat keine drei Minuten gedauert, aber man will sein Glück ja nicht überstrapazieren.
Jetzt schmerzt mein Kopf. Aber das macht nichts, denn ich habe eine 1. In Worten: EINS.