Pseudoprominenz

Mittwoch, 11. Januar 2006

Tausche Mann gegen Freiheit

Grossartig. Wirklich grossartig. Hätte mich irgendjemand vor den Tücken einer ernstzunehmenden Beziehung gewarnt, ich hätte mich nie darauf eingelassen. Nicht falsch verstehen, verliebt war ich natürlich schon oft. Das erste Mal mit drei Jahren, in Knight Rider. Danach in MacGyver und Batman; wie der geneigte Leser sich vorstellen kann, beruhten diese amourösen Verlangen auf Einseitigkeit. Vor nicht allzu langer Zeit schlug der Liebesgott aber richtig zu, doch nachdem nun die ersten Schmetterlinge reissaus nehmen und die rosa Brille im Eck zu stauben beginnt, frage ich mich ernsthaft, welcher Teufel mich da geritten hat.
Ich schlafe keine Nacht mehr durch, weil neben mir geschnauft und geschnarcht wird, dass nicht mal Ohropax hilft und meinen Hang zur Theatralik, der nur bei echten Freundinnen auf Verständnis stösst, werde ich in Zukunft auch unterdrücken müssen. Von all den begehrenswerten Kerlen da draussen, die ich nicht mehr begehren darf, gar nicht zu sprechen.
Nein, Beziehungen sind nicht mein Métier. Sollen doch die anderen von trauter Zweisamkeit schwärmen, ich gebe mich mit meiner Freiheit zufrieden. In diesem Sinne: Adios, mi amor, und Willkommen Unabhängigkeit!
kult-Kurier, 26.11.05

Und bevor Anfragen kommen: Herzblatt geht es trotzdem gut. Ist alles rein fiktiv.

Montag, 12. Dezember 2005

Sexuelle Solvenz

- „Krieg’ ich noch einen Café?“
Himmel. Hoffentlich werde ich den Typen schnell wieder los. Das Letzte, worauf ich jetzt Lust habe, sind postkoitale Sympathiebekundungen.
- “Leider, ich muss gleich weg, aber Du kannst mir ja Deine Nummer dalassen, ich ruf’ Dich dann an.“
Ich habe beschlossen, dem Weibchenschema den Rücken zu kehren und mich ab sofort selbstständig zu machen. Ich bin eine sexuell ausgerichtete Ich-AG, sozusagen. Ich nehme mir, was ich brauche, ich bin es, die den Ton angibt, ich bestimme wer, wie, wann, wo und warum. Ich mache ab sofort weder meine Laune, noch meine Figur von Kerlen abhängig, die keine meiner Tränen wert sind. Ergo muss ich nie mehr nägelkauend auf Anrufe warten, die dann doch nicht kommen, und das Feuer der Diäthölle wird auch ohne mich sicher weiterlodern. Soll doch der koffeinsüchtige Liebling-wie-heißt-du-gleich-Typ zur Abwechslung mal dauernd seine Anrufe und seinen Mail-Account checken wenn ihm danach ist.

Und sollte Mr. Right tatsächlich irgendwann aufkreuzen, kann ich ja immer noch über eine Fusion nachdenken.
kult-Kurier, 31.7.05

Donnerstag, 24. November 2005

Coital Talk

„Auf was stehst Du denn so?“
Grundgütiger. In wessen Bett bin ich da bloss gelandet? Meint der das etwa ernst? Bis jetzt gab ich mich der scheinbar irrigen Annahme hin, dass solche Fragen bei One Night Stands deplatziert sind. Ich meine, wozu? Wir haben ein bisschen Sex, schlafen unseren Rausch aus, wenn’s gut war, ist ein noch Frühstück drin, und dann war’s das. Wen interessiert es da noch, worauf ich „so stehe“? Wir sehen uns ja doch nicht wieder.
Überhaupt lasse ich lieber Taten als Worte sprechen. Eine sehr weise Frau sagte mal: „Entweder man hat Sex, oder man zerredet ihn.“ Dem gibt es nichts hinzuzufügen, wie ich meine. Dieses ganze Mach-mal-da-Nein-nicht-da-Weiter-links-Gequatsche ist doch lächerlich und bringt nichts ausser Frustration.
Versteht mich nicht falsch, wenn einer meint mir sagen zu müssen, wie geil ich bin, habe ich nichts dagegen. Wogegen ich aber sehr wohl etwas habe sind Typen, die eine realitätsnahe Beschreibung meiner erogenen Zonen verlangen um zu wissen, wo’s langgeht. Meine Herren, bitte, redet mit euren Freunden oder lest Ratgeber, aber verschont mich mit so etwas. Ich will nämlich nicht wissenschaftlich untersucht, sondern befriedigt werden.
Danke sehr.
kult-Kurier, 23.4.05

Samstag, 8. Oktober 2005

Verliebte beste Freundinnen

Meine beste Freundin ist verliebt. Ein ganz und gar verachtenswerter Zustand, wie ich meine. Kaum ein Tag, an dem sie nicht von ihrem Angebeteten spricht und ich von ekstatischen Beschreibungen seiner blauen Augen verschont werde. Sowohl er als auch ich werden stündlich mit Anrufen und SMS bombardiert, deren Inhalt an exzessiver Anbetung nicht zu überbieten ist. Meine Bitten, sich doch wenigstens für eine halbe Stunde wie ein normaler Mensch zu benehmen, ignoriert sie beständig und erzählt mir stattdessen zum 137. mal, mit welchen Kosenamen sie von „Mausezähnchen“ bedacht wird.
Jetzt mal im Ernst, muss das denn sein? Bin ich wirklich verpflichtet, sowas über mich ergehen zu lassen? Klar, ich freue mich für sie, aber irgendwann reisst auch mir der Geduldsfaden. Wer hört mir denn jetzt zu? Mit wem soll ich mich denn jetzt regelmässig betrinken, um mich hernach schwerstens alkoholisiert über Männer in ihrer Eigenschaft als herzlose Mistkerle auszulassen?
Herrschaften, ich wage es zu behaupten, dass viele Beziehungen in die Brüche gehen, weil eine frustrierte beste Freundin beschlossen hat, den Störfaktor mittels perfider Separationsakte aus dem Weg zu räumen. Nicht, dass ich aus persönlicher Erfahrung spreche, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Auf jeden Fall werde ich – rein prophylaktisch, versteht sich – einige Flaschen Prosecco bereitstellen, um meine beste Freundin zurück im Singleleben willkommen zu heissen.
kult-Kurier, 20.3.05

Montag, 26. September 2005

Spiel mit

Ich fasse es nicht. T., der mir und wahrscheinlich jeder geschlechtsreifen Frau zwischen hier und Neuseeland Nacht um Nacht unzensierte Träume beschert, will mich morgen daten. T., der Mann mit dem anbetungswürdigsten Hintern seit Tom Cruise. Die blosse Erwähnung seines Namens lässt jede Frau in meinem Bekanntenkreis wollüstig erschaudern.
Klar, dass sich bei meinen Freundinnen atemlose Empörung breitmacht, als ich Zweifel an seiner Vollkommenheit anmelde. Ich weiss nämlich genau, dass sich jede von ihnen in Erwartung einer leidenschaftlichen Nacht mit ihm ohne mit der Wimper zucken von ihrem Vibrator trennen würde. Das hätte ich auch getan. Aber jetzt.... nee. Er hat mir ja nicht mal den Hauch einer Chance gegeben ihn anzumachen. Er hat weder meinen verführerischen Augenaufschlag noch den lasziven Hüftschwung, der ihm galt, beachtet, und sowas mag ich ja gar nicht. Mal ehrlich, so macht das doch keinen Spass. Ich will erobern und erobert werden. Ich will ernten, was ich säe. Das ist es doch, was den Reiz des Spiels ausmacht, das sind die Regeln, an die sich alle Spieler halten müssen. Und deswegen darf man es mir auch nicht übelnehmen, wenn ich das Interesse verliere, sobald sich jemand über diese Regeln hinwegsetzt.

Was soll ich sagen... T. nimmt es mir übel. „Du weisst gar nicht, was Dir entgeht!“, tönt er pikiert. Da hat er recht. Aber immerhin habe ich noch meinen Vibrator.
kult-Kurier, 6.3.05

Donnerstag, 22. September 2005

Liebeskummer. Chronisch.

Ist Liebeskummer eine chronische Erkrankung? Die Fakten sprechen dafür, man denke bloß an all die gebrochenen Herzen, die er hervorgebracht hat, an die unzähligen Abende im Kreise bester Freundinnen mit Unmengen an Prosecco, Tonnen von Schokolade (die sich bekanntlich nachhaltig auf den Hüften breit macht), herzzereissenden Liebesfilmen en masse und Tränen mit denen man einen Swimmingpool füllen könnte, dazu allseits bekannte Symptome wie andauernde Müdigkeit, Antriebslosigkeit, schlaflose Nächte und, natürlich, schwerste Depressionen.
Wenn Liebe, wie uns in unzähligen Reportagen versichert worden ist, bloß ein chemischer Vorgang im Gehirn ist, wieso gibt es noch immer keine Tabletten gegen den (irgendwann unvermeidbaren) Kummer? Der müsste doch eigentlich auch eine chemische Reaktion sein.
Nun ja. Da ich in medizinischen Dingen nicht sonderlich versiert bin, werde ich auch weiterhin jedes Lied, das mich an den Mann meines Verlangens erinnert, möglichst laut und möglichst auf Repeat hören um dann schmerzenden Herzens die Menschen die mir nahe stehen mit mitternächtlichen Anrufen zu belästigen. Pflichtbewusst werden sie mich in ihre Arme schließen um mein gebrochenes Herz zu kitten, denn, wir wussten es bereits, eine Hand wäscht die andere und eins ist sicher: der nächste Kummer kommt bestimmt...
kult-Kurier, 1.1.05

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Sollte sich jemand ob meiner Worte an's Bein gepinkelt fühlen, darf er mir das hier mitteilen und ich werde mir überlegen, ob ich etwas dagegen unternehmen will. Mit den Inhalten verlinkter Seiten habe ich nichts zu tun, und auch sonst lehne ich es ab, für irgendetwas zur Rechenschaft gezogen zu werden. Übrigens werde ich ganz sicher nicht meinen Namen hier reinschreiben. Genauso wenig wie meine Adresse, mein Geburtsdatum, meine Augenfarbe oder meine Lieblingsstellung. Ich mache das hier nämlich nur zum Spass. Mehr habe ich im Moment nicht zu sagen. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Zuletzt aktualisiert: 30. Jun, 18:08

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