Neighbourhood

Montag, 16. Oktober 2006

The Postman

Mein Briefträger scheint sich nicht mit der unumstösslichen Tatsache anfreunden zu können, dass es bei meiner liebreizenden Person nicht um Herrn Karla Pusch handelt. Seit meinem Einzug liegt alle paar Wochen ein Katalog für Umstands- und S/M - Mode (what the fuck?) in meinem Postkasten, und wenn ich es wage, ihn rauszunehmen und auf den Postkasten draufzustellen, liegt er am nächsten Tag erneut drin. Lieber Herr Briefträger, nachdem meine subtilen Versuche, Sie über meine (einzige) Identität aufzuklären, kläglich scheitern, versuche ich es auf diesem Wege, vielleicht lesen Sie es ja irgendwann:
Ich bin nicht Herr Karla Pusch. Ich bin auch nicht Frau Karla Pusch; ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass mir Menschen - egal ob männlichen, weiblichen oder sächlichen Geschlechts - der Sippe Pusch vollkommen unbekannt sind.
Schenken Sie den Katalog Ihrer Frau, wenn Sie ihn unbedingt loswerden wollen, aber bitte verschonen Sie meinen Briefkasten. Da legen Sie ohnehin schon genug Schrott rein.

Dienstag, 7. März 2006

It's raining men

Ich wohne in einer guten Gegend, männertechnisch gesprochen. Heute Morgen bin ich neben einem ausgesprochen hübschen Kerl in der Strassenbahn gesessen. Seine blondierten Haarspitzen gaben ihm zwar den Anschein, als wäre er einer semiprominenten Boyband entsprungen, aber das tut der Perfektion seiner Hinterns keinen Abbruch.
Und eben am Heimweg hat mich der schönste Kerl der Welt unentwegt angeglotzt. Hätte ich nicht ein Herzblatt, das zu lieben ich mich verpflichtet habe, ich hätte mir dieses Antlitz eigenhändig über's Herz tätowiert. Nachdem ich enthemmt über seinen Prachtkörper hergefallen wäre.

oohoohoo du hübsches ding
ich versteck meinen ehering...

you know the rest

Montag, 20. Februar 2006

Mein Nachbar

hat mir eben ein Date offeriert. Ich frage mich, wie er auf solche Ideen kommt.
Kennengelernt haben wir uns zu Weihnachten. Schwesterherz und ich versuchten, mit meinem Weihnachtsbaum in der Strassenbahn niemanden zu erschlagen, während ich lauthals über einen Namen für ihn (den Weihnachtsbaum, nicht den Nachbarn) nachdachte.
Als ich freudestrahlend verkündete, Agatha wäre ein angemessener Name, lachte er (der Nachbar, nicht der Weihnachtsbaum) und ich dachte mir noch etwas à la halt's maul, mit dir redet keiner. Ja, ich bin ein kleiner Charmebolzen.
Jedenfalls hielt er uns damals die Türe auf und half mir, den Baum raufzutragen und da habe ich überhaupt erst kapiert, dass er mein Nachbar ist (obwohl er angeblich seit einem Jahr hier wohnt). Seitdem haben wir uns nur noch ein einziges Mal gesehen, und da sprachen wir bloss über den traurigen Umstand, dass mich meine Elektroheizung in den Ruin treibt.
Und jetzt das.
Ich will ja niemandem was unterstellen, aber ich glaube, er hat Frau und Kinder. Was mir, würde es sich um ihn hier handeln, herzlichst wurscht wäre. Tut es aber nicht.

Ausserdem habe ich ein Herzblatt. Ja.

Montag, 28. November 2005

Voyeuristisches Verlangen

Ich bin ganz zittrig. Ich habe eben beim Blick aus dem Fenster meinen heissen Nachbarn gesehen. Mit entblösstem Oberkörper. Das ist ein Anblick, das kann man gar nicht beschreiben. Sowas Schönes sieht man selten; das lässt einem doch glatt die Sonne im Herzen aufgehen. Ja, so leicht ist es, meinem angeschlagenen Gemüt eine kleine Freude zu bereiten.
Wirklich, ich kann es nicht oft genug betonen, der Mann ist eine Augenweide in formvollendeter Perfektion. Sixpacks wohin man blickt.
Sowas ist ja eigentlich nichts, was ich im Bett haben will. Da bekommt man als Frau ja Komplexe. Vielleicht nicht alle, ich aber auf jeden Fall.

Ich schätze, ich werde meine Nivea-Bodylotion bei Gelegenheit wieder hervorkramen...

Samstag, 1. Oktober 2005

Nachbarschaftsangelegenheiten

"Nachbarn sind die Prüfungsaufgaben, die uns das Leben stellt." Das sagte ein Mann namens Marcel Achard, und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er damit auf meine 84jährige Nachbarin anspielt.
An sich ist sie ja ziemlich cool, vor allem, was meinen nächtlichen Geräuschpegel anbelangt, nur ist sie leider auch ein bisschen ... 84jährig. Und weil sich sowas nicht unbedingt verbergen lässt, habe ich es gleich am Tag meines Einzugs bemerkt.

Herzblatt und ich, beide mit Regalen bepackt, kämpften mit Gleichgewicht, Schwerkraft und der Tür, die sich nicht öffnen liess. Nachbarin steckte ihre Kopf durch die Tür und fragte:
"San Sie der Postler?"
"Ja, natürlich, und ich liefere gerade ein Regal.."
.. Dachte ich natürlich nur.
"Nein, ich bin Ihre neue Nachbarin..." Bla bla bläh, man kennt das ja.
Sie glotzte Herzblatt an und fragte: "Is des der Postler?"
Ich glotzte einigermassen verständnislos zurück, kam zu dem Schluss, dass sie das ernstmeint und sagte: "Nein, das ist mein Freund."
"Owa wo is er, der Postler? Sogn's, wann kummtn der normal immer?"
Ich erklärte ihr, dass ich das Haus zum 2. mal meines Lebens betrete und demnach nicht den blassesten Schimmer über die Gewohnheiten des Postboten habe, worauf sie beleidigt ihre Türe zugeschmissen hat.

Ein paar Stunden später traf ich sie wieder im Stiegenhaus.
"Sogn's, wohnen Sie do?"
"Ja, ich wohne noch immer hier."
"Für immer?"
"Ich hoffe nicht, nein."
"Sogn's, wann kummt der Postler?"

Zwei Wochen nach Ostern hat sie, mit einem Schoko-Osterhasen bewaffnet, an meiner Tür geklopft um zu fragen, ob ich Schokolade mag. Ich hasse kaum etwas mehr als Schokolade, aber sowas kann man ja nicht sagen wenn man erwartungsvoll angestrahlt wird. Also sagte ich "Ja, und wie" und nahm den Hasen. Eine Viertelstunde später klopfte es wieder. "Schauens,i hob no an!". Na gut, zwei Hasen. Die werde ich ja irgendwie anbringen können. Noch eine Viertelstunde später: "I hob do no was für Sie." Das war der Zeitpunkt ihr zu sagen, dass es jetzt gut ist und ich genug Schokolade bis Weihnachten habe, aber dazu kam ich nicht, denn Frau P. warf [sie warf es wirklich] mir das Teil zu und verschwand wieder in ihrer Wohnung. Bis zum Abend brachte sie mir im Viertelstundentakt noch vier Schokohasen und neun Tafeln Schokolade vorbei.

Und so geht das jetzt seit ein paar Monaten. Sie klopft regelmässig an meine Tür um zu fragen, wo ein Friseur ist, wo ein Taschengeschäft ist, ob ich Hausmeister werden will, ob ich die Medikamente, die ich im Februar verloren habe, inzwischen wiedergefunden habe und sie erzählt oft und gerne, dass die Menschheit verkommt, dass ich aufhören soll zu studieren, weil das eh nichts bringt und dass sie, weil sie Heizen zu teuer findet, lieber den Gasofen andreht.

Seit zwei Wochen ist sie nicht da. Ich vermute sie im Krankenhaus, und das tut mir ehrlich leid. Ok, die Explosionsgefahr ist seitdem um 100% zurückgegangen, und das ist unheimlich beruhigend, aber irgendwie fehlt sie mir. Es ist doch so, wenn man monatelang von etwas genervt wird und es auf einmal fehlt, dann stimmt irgendwas nicht. Dann fühlt man sich unrund und die plötzliche Ruhe nervt fast gewaltiger als der Störenfried, auf den man ja irgendwie vorbereitet war. Und so kommt es, dass ich nicht mehr von ihrem laut plärrenden Radio aufwache, sondern von der unerträglichen und vor allem ungewohnten Ruhe.
Ich hoffe, sie kommt bald wieder.

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Sollte sich jemand ob meiner Worte an's Bein gepinkelt fühlen, darf er mir das hier mitteilen und ich werde mir überlegen, ob ich etwas dagegen unternehmen will. Mit den Inhalten verlinkter Seiten habe ich nichts zu tun, und auch sonst lehne ich es ab, für irgendetwas zur Rechenschaft gezogen zu werden. Übrigens werde ich ganz sicher nicht meinen Namen hier reinschreiben. Genauso wenig wie meine Adresse, mein Geburtsdatum, meine Augenfarbe oder meine Lieblingsstellung. Ich mache das hier nämlich nur zum Spass. Mehr habe ich im Moment nicht zu sagen. Danke für die Aufmerksamkeit.

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