Bezauberndes

Samstag, 19. Mai 2007

Fliegende Wiener

Mein Eistee ist warm und ich bin zurück. Zugegebenermaßen nicht aus purem Enthusiamus, der mir aus allen Poren tropft, sondern weil gerade wichtigere Dinge anstehen, denen ich mich nicht widmen will, und irgendetwas muss man sich ja widmen. An dieser Stelle würde sich Herzblatt zwar wunderbar anbieten, aber der frönt mal wieder in einem anderen Staat seiner dämlichen Leidenschaft für dämliche Sammelkartenspiele. Und ausser dem hier habe ich alle möglichen Ablenkungen schon durch. Zum Beispiel einen Kurztrip nach Rumänien. Und Kurztrip ist beileibe nicht wörtlich zu verstehen, denn bevor ich das Flugzeug bestieg, galt es, mein Augenmerk zwecks Kurztrip-Vorbereitung auf die wirklich wesentlichen Dinge zu richten, u.a. die tägliche, wenn nicht sogar stündliche Erstellung von Dresscode-Listen für jeden auch noch so unwahrscheinlichen Anlass sowie die wirklich zeitraubende Suche nach perfekten Schuhen, die ich zwar nicht gefunden, dafür aber ein Vermögen für halbperfekte rausgeworfen habe.
Dann kam der Tag der Abreise. Nachdem Herzblatt mich telefonisch durch Check-In und Sicherheitskontrolle gelotst hat (ich bin lange nicht geflogen und dementsprechend desorientiert war ich leider auch) und nach einem kleinen Pläuschchen mit der Sicherheitstante, die sich jetzt hoffentlich gemerkt hat, dass ein BH-Bügel keine lebensgefährliche Waffe darstellt, erfreute ich mich im Flugzeug an meiner leeren Sitzreihe sowie den hüschen Stewards und verdächtigte den Kerl zwei Reihen vor mir, ein Sky-Marshal zu sein; leider fiel mir dann ein, dass wir in Österreich noch nicht so weit sind und kuckte stattdessen verzückt aus dem Fenster. Und ich wäre nicht ich, würde ich mich nicht auch Kilometer über dem Erdboden zum Vollidioten machen. Nach einem für meinen Geschmack unangemessen heftigen Ruck, dem der Inhalt meiner Tasche zum Opfer fiel (ich denke nämlich nicht im Traum daran, meine Tasche neben stinkenden fremden Taschen auf geschätzte 10 cm² zu quetschen), nach diesem Ruck jedenfalls hörte ich mich zu meinem Entsetzen wie einen orgastischen Werwolf aufheulen und merkte, als die Passagiere um mich rum interessiert zu mir rüber blickten, dass ich mich mit angezogenen Beinen in den Sitz krallte. Jetzt galt es, Schadensbegrenzung zu betreiben und meine Würde irgendwie wiederherzustellen. Alles in Ordnung, nur keine Panik, hörte ich mich daraufhin zu meinem noch viel größeren Entsetzen rufen. Ja. Würde. Nur darauf kommt es an.
Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich mich in Flugzeugen noch nie so schrecklich entwürdigend benommen habe, nicht einmal, als ich am Rückflug von New York die Klotüre nicht mehr aufbekommen habe und um 3 Uhr morgens wie bescheuert dagegenhämmerte, um die Stewardessen zwecks Hilfestellung aufzuwecken.
Wie dem auch sei, nach keinen weiteren Zwischenfällen kamen wir an und plötzlich hatte es 33 Grad. Damit und davon habe ich weder gerechnet noch in meinen schlimmsten Albträumen zu phantasieren gewagt, und angesichts meiner nicht eben zurückhaltenden, ständigen Klugscheisserei hoffe ich, dass dieser Satz den gängigen topo- sowie logischen Grundregeln entspricht und gerecht wird. Was auch immer. Ich war da, Mama auch, und bis auf einige hitze- und staubedingte Nervenkrisen war alles wunderschön (P.S.: Mami, ich hab' Dich lieb), weswegen Herzblatt sofort und unter Androhung von Liebesentzug bei Nichterfüllung dieses meines Herzenswunsches von mir verpflichtet wurde, im Sommer mit mir hinzufliegen um endlich bei meiner Familie vorstellig zu werden. Es ist ja ausserdem nicht so, als hätte er nicht auch etwas davon; wie ich ihn kenne, würde er es gar nicht mehr zum hoffentlich jetzt schon in Planung befindlichen Barbecue bei meiner Tante schaffen, weil sein Bauch angesichts des überdurchschnittlich großen, unterdurchschnittlich billigen Angebotes an wirklich leckerem Futter explodieren würde, während wir vom Balkon aus die Straßenhunde und den Polizisten von gegenüber mit Würstchen bewerfen (und das ist keine Ausgeburt meiner kranken Psyche; diesem Szenario durfte ich eigenäugig beiwohnen).
Whatever. Ich muss weg. Auf Wiedersehen.

Mittwoch, 7. Februar 2007

Geküsstes Fleisch leuchtet

... oder Du geiles Miststück, fick mich.
Und das kann nur eines bedeuten. Ja, die grossartige, anbetungswürdige, bezaubernde Lilo Wanders war in der Stadt und erfreute nicht nur mich, sondern auch die Gewinnerin der ersten Dancing Stars-Staffel und Hannibal Means (der Einzige übrigens, der noch lauter lachte als ich) mit pointierten Anekdoten und harten Fakten. Unter anderem ein paar Dildos und ihrer Goldenen Faust. Glückskind, das ich bin, reservierte ich die letzte freie Loge und träumte in der Nacht vor ihrem Auftritt, dass sie mir ins an- und aufgeregte Auge blicken und mir zurufen würde Schätzchen, Deine Haare sind toll! Das tat sie bedauerlicherweise zwar nicht, erzählte aber unter anderem, dass sie bei einem Dreh in Wien vor ein paar Jahren mit Dagmar Koller verwechselt wurde, ein Elefantenpenis 30 cm lang ist und ein Orgasmus, der länger als 10 Sekunden dauert, vorgetäuscht ist.
Jetzt bin ich befriedigt zufrieden und obendrein klüger (ich weiss jetzt, was Italienisch ist. Ausser einer Sprache.)
By the way: Friends have told me that Fucking is fabulous.

Montag, 27. November 2006

Mein Zahn und ich

Letzten Freitag war es soweit. Nachdem ich seit kurzer Zeit dem ein und ein paar anderen Jahren nur noch auf der linken Seite kaue weil rechts ein Zahn wehtat, dachte ich vor zwei Monaten, das geht so nicht weiter, und besorgte mir die Nummer eines Zahnarztes, von dem mir gesagt wurde, dass er nicht zu diesen Spritze gibt's do net-Sadomaso-Schweinen gehört.
Ich rief also an und bereitete die Tante am Telefon vorsorglich darauf vor, dass ich mit Herzblatt im Schlepptau kommen würde; 1. weiss ich schon, dass ich alleine nicht mal die Zehenspitze auf den Behandlungsstuhl hieven würde, geschweige denn meinen Hintern; und 2. hatte ich Herzblatt in Verdacht, das letzte Mal vor einer Dekade eine Zahnarztpraxis von innen gesehen zu haben. Womit ich, der Vollständigkeit halber, falsch lag.
Vor drei Wochen rief die eine Beste an und heulte ins Telefon, sie hätte die ganze Nacht nicht geschlafen vor Zahnschmerzen, und ich soll doch bitte mal auch für sie einen Termin machen. Am besten am selben Tag und zur selben Uhrzeit wie ich. Und weil ich mir für nichts zu blöd bin, rief ich also da an und flötete in den Hörer, Guten Tag, mein Name ist XY, ich habe für meinen Freund und mich am 24. November einen Termin bei Ihnen und wollte fragen, ob eine Freundin auch gleich mitkommen kann. Schweigen am anderen Ende. Dann ein Räuspern, gefolgt von einem ungläubigen Sie wollen mir sagen, Sie kommen zu dritt?
Naja. Ja, wenn das geht.
Damit wir uns nicht missverstehen: Sie kommen zusammen mit ihrem Freund und einer Freundin? Und sie wollen alle behandelt werden?
Ja, Du dämliche Ziege, wir verstehen uns nicht miss. Ja, wenn Sie nichts dagegen haben.
Schweigen. Dann Lachen.
Ok, klar geht das.
Grossartig. Warum nicht gleich so? Danke. Wiederhören.
Ja. Und letzten Freitag war es wie gesagt soweit. Anfang der Woche begannen die Albträume und die Heulkrämpfe, die dann auch gleich mal bis Freitag anhielten. Sowohl die einen als auch die anderen.
Am Tag des Grauens betraten die eine Beste und Herzblatt das Stiegenhaus unklugerweise vor mir; das verschaffte mir Zeit für den Gedanken, dass ich hier absolut falsch aufgehoben wäre und da ich nun ohnehin nicht auf Schmerzen stehe, stahl ich mich auf Zehenspitzen hyperventilierend wieder raus auf die Strasse. Blöderweise schnappten sie mich während ich noch überlegte, ob ich nach links oder rechts laufen sollte, und eskortierten mich wieder hinein. Im Wartezimmer, zwischen Bohrer- und Absaugegeräuschen, packte mich das nackte Grauen und ich übertreibe zu meiner überaus grossen Schande nicht, wenn ich gestehe, mich wie eine Irre gebärdend geheult zu haben bis die Ordinationshilfe kam, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie das zusammengekauerte Häuflein Elend, das ich war, sah, besorgte sie eine Runde Beruhigungstabletten, weu so kömma Sie jo net behandln, net woa. Die blöde Kuh gab mir aber nur Placebos. Irgendwann tat sich das Tor zur Hölle zum Behandlungszimmer auf, der Teufel die Ärztin kam raus und verkündete mit bedeutungsschwangerer Stimme, dass ich nun an der Reihe wäre, mich in ihre Hufe Hände zu begeben. Während ich mich unter Würgen und Ächzen am Stuhl windete, fummelte sie in meinem Mund herum um mir hernach mitzuteilen, dass sie mir jetzt eine Spritze geben werde, da schon Menschen, die härter als ich im Nehmen sind, vor Schmerz aufgejault hätten. Na super. Sie fragte noch, ob ich Herzblatt dabeihaben wolle, aber mein Ehrgeiz war entfacht und todesmutig erwiderte ich, das schaffe ich auch allein. Sie packte die Spritze aus, ich verkrampfte mich wie Blade an der Stelle, wo Whistler ihm sein Serum verabreicht, und in dem Moment, da die Spritze mein Zahnfleisch berührte, schrie ich auf und hatte wohl Glück, dass die gute Frau starke Nerven hat und nicht vor Schreck wild in meinem Mund herumgestochen hat. Dabei wollte ich bloss Herzblatt rufen, der auch sofort reinkam und brav mein Pfötchen drückte, während die Ordinationshilfe mir die ganze Zeit über die freie Backe streichelte. Sehr nett, die Gute. Die Scheiss-Spritze tat dann auch gleich mal so weh, dass ich mir wünschte, sofort ohnmächtig zu werden, nur leider wollte sich niemand meiner erbarmen und mir mit einem Hammer auf den Kopf schlagen, weshalb Herzblattes Hand dran glauben musste. Ich kann verdammt fest zudrücken, wenn ich will. Nachdem sich die Schmerzen gelegt hatten, ging die Behandlung los, und ganz ehrlich: wenn man mir früher gesagt hätte, wieviel Spass das macht, hätte ich mein schmerzendes Zähnchen schon viel früher reparieren lassen. Ich weiss zwar bis heute nicht, ob das ok war, dass mein ganzes Gesicht bis spätnachts taub war, aber wäre ich Zahnarzt, ich würde mir jeden Tag selbst ein paar Spritzen verabreichen, so ein witziges Gefühl ist das.
So. Und jetzt reisse ich mir einen Zahn raus um bald wieder zum Zahnarzt gehen zu dürfen. Gute Nacht.

Dienstag, 19. September 2006

Besser als Sex

Shoppen. Shoppen ist besser als Sex, und zwar in dem Moment, in dem man einen Pullover in Grösse M anprobiert, in den man zwei Mal reinpasst, die eine Beste einem daraufhin den selben Pullover in XS reicht und er perfekt sitzt. Ohne dass man den Bauch einziehen muss. Und ungeachtet der Tatsache, dass Querstreifen auftragen, befinden sich nun zwei eben so gemusterte Pullover in meinen heiligen Hallen. In Grösse XS. Das ist dann sowas wie ausgleichende Gerechtigkeit.
Mein Hintern sah übrigens nie so schön aus wie in meiner neuen Jeans. Und Kreditkarten sind Verführungswerkzeuge des Teufels. Ich werde bis Jahresende kein Essen mehr kaufen können, und ich werde im Dunkeln sitzen weil mir der Strom gesperrt wird, aber ich werde dabei verdammt geil aussehen. Kate Moss kann einpacken.

Sonntag, 3. September 2006

...

Meine Katze gibt sich nicht mehr mit Shebas Empfehlungen der Saison zufrieden; jetzt frisst sie Schokokekse.

Dienstag, 29. August 2006

Heidi Reloaded

So. Da bin ich wieder. Ja, ich war weg. Herzblatt machte wahr, was er an unserem Jahrestag versprach, packte mich samt meinem halben Kleiderschrank ein und fuhr mit mir in die Berge. In den Ort, in dem ich jahrlang meine Sommerferien verbrachte, den ich mehr liebe als die Stadt, in der zu wohnen ich verdammt bin und in dem die Besitzer der schönsten Pension der Welt eine ihrer Töchter nach mir benannten. Die Frage, warum ich in den Sommerferien einen Skiort bereise, lassen wir jetzt einfach mal aussen vor. Jedenfalls möchte man meinen, dass vier Tage, eigentlich sogar nur dreieinhalb, sich nicht sonderlich erwähnenswert auf eines Menschen Gemüt auswirken, aber nichts da. Ich habe mich so sehr an die Ruhe gewöhnt, dass ich mich sogar in dem schönen, grünen, ruhigen Bezirk, in dem wohne, von den paar Autos, die herumfahren, absolut überfordert fühle. Beim blossen Gedanken daran, meine blasenübersähten Füsse auf eine Wiener Einkaufsstrasse zu setzen, hyperventiliere ich und der kalte Angstschweiss bricht mir aus. Aber alles der Reihe nach.

Freitag: 6.30 Uhr. Wecker klingelt. Herzblatt zuckt nicht mal mit dem Augenlid, ich dagegen möchte mich vor Müdigkeit umbringen. Geht aber nicht, muss noch packen. Laut Oasis angedreht um nicht wieder einzuschlafen. Nach einer halben Stunde Stand by me auf repeat schnauzt Herzblatt mich an, ich solle diese grottenschlechte Scheisse ausmachen. Ich denke nicht im Traum daran, sondern drehe noch lauter, reisse die Fenster auf und nehme ihm seine Decke weg. Der Streit geht los. Nachdem ich ihm versichert habe, dass ich mit jedem x-beliebigen Penner lieber fahren würde als mit ihm, wäre da nicht die klitzekleine Tatsache, dass er zahlt, packt er seinen Koffer und haut ab. Oh, denke ich mir, spinne diesen Gedanken aber nicht weiter, sondern mache mich auf die Suche nach sauberer Unterwäsche. Nach zehn Minuten läutet das Handy. Herzblatt ist beim Supermarkt, fragt, was ich essen möchte und mahnt zur Eile, wir hätten ja schliesslich einen Zug zu erwischen. Leck mich, zische ich ins Telefon, und werde unterwäschetechnisch fündig. Nach einigen anderen, unvorhersehbaren Zwischenfällen sitzen wir tatsächlich im Zug, wo ich sowohl Herzblatt als auch Schaffner und Mitreisende ob meiner wirklich verdammt schlechten Laune in einer Tour anpöble. Wir laufen den gesamten Zug drei mal auf der Suche nach einem Raucherabteil mit zwei freien Plätzen ab, werden fündig, rauchen eine, und müssen gleich wieder aussteigen, denn weder die Fahrplanauskunft im Internet noch drei zu Rate gezogene Schaffner sind sich über die Strecke einig. Nach einigen unvorhergesehenen Zwischenstops kommen wir tatsächlich endlich an, und juhu, es regnet. Alibihalber schleppe ich meinen Koffer ca. dreieinhalb Meter, lasse mich schnaufend ins Nase Gras fallen und beteuere, keinen Schritt mehr gehen zu können. Herzblatt schnappt sich gottergeben meine Tasche und schafft es tatsächlich irgendwie, mit dem ganzen Gepäck die steile Schotterstrasse zur Pension raufzugehen ohne zu kollabieren.
Nachdem wir angekommen sind und alle Bekannten je nach Verlegenheitagrad geknutscht, umarmt oder gehandshaked werden, nötige ich Herzblatt, sich für die erste Erkundungstour bereit zu machen, die zwar ob des Regens keine lange wird, aber trotzdem schön. Übrigens, ihr Bürokraten-Arschlöcher: dass ihr meinen Spielplatz hinter dem Hotel abgerissen habt, werde ich Euch nie, NIEMALS verzeihen. Im Leben nicht. Nein.
Am Nachmittag fallen wir ungeachtet der Tatsache, dass plötzlich die Sonne scheint, komatös ins Bett und verschlafen beinahe das Abendessen. Beinahe. Denn das ohne Übertreibung beste Schnitzel der Welt verschläft man nicht einfach so, und schon gar nicht ich.

Samstag: Wetter und Frühstück sind perfekt. Mich packt der Übermut, ich frohlocke und zeige Herzblatt einen Mammutberg, den ich mittels Sessellift zu bezwingen gedenke. Wir gehen also zur Busstation, entziffern den witterungsbedingt verschimmelten Fahrplan und warten auf den Bus gen XY Sessellift, denn so ähnlich heisst die Station. Eine halbe Stunde später sind wir da, nur da, wo früher der Sessellift stand, steht heute ein Parkplatz. Das war so nicht geplant. Wir stürmen das nächste Lokal und begehren Auskunft, wo der blöde Lift denn nun sei, worauf eine in der Blüte ihrer Pubertät befindliche Landpomeranze glucksend erwidert, den gibt's nicht mehr. Ratlos kucken Herzblatt und ich uns an, noch ratloser kucken wir auf den Busfahrplan. Der nächste Bus gen Heimat fährt in fünf Stunden. Juchee. Nachdem ich meinem Missfallen an der derzeitigen Situation lautstark und sehr vulgär Ausdruck verliehen habe, wagt Herzblatt den Sprung ins kalte Wasser und sagt, wir könnten ja zu Fuss da rauf. Ich schmettere ihm einen Blick entgegen, der Humphrey Bogart in den Selbstmord getrieben hätte und zünde mir erstmal eine Zigarette an. Dann denk' ich mir, warum eigentlich nicht, und los geht's.
Nach einer halben Stunde geht der erste Heulkrampf los. Meine Beine tun weh, meine Hose ist dreckig weil ich etwa alle zwei Meter hinfalle, und ich kann Herzblatt partout nicht davon überzeugen, die Forststrasse zu nehmen. Wer weiss, wo wir da hinkommen, sagt er. Auf den Gipfel, Du Idiot, schmettere ich ihm entgegen, und zweifle an seinem Geisteszustand. Ja, aber das weisst Du nicht genau. Sehr witzig. Wie, glaubst Du, bekommen die da oben auf der Hütte das Essen? Fällt es vom Himmel, oder wie? Wie zum Hohn stolpern wir die ganze Zeit unter dem ehemaligen Sessellift herum. Nach zwei Stunden lasse ich mich gekonnt dramatisch in den Gatsch fallen, fange ganz fürchterlich hysterisch an zu heulen und fluche, dass es einem Fischweib die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Herzblatt hat dazu nichts zu sagen, ausser dass wir eh bald oben sind. Was ich ihm unter Umständen und in Anbetracht der Tatsache, dass wir schon seit zwei Stunden am Klettern waren, sogar abgekauft hätte, hätte er diesen Spruch nicht schon nach einer Viertelstunde das erste Mal abgelassen. Nach einer weiteren halben Stunde, während der ich mehr als einmal versuche, ihn den Abgrund runterzustossen ihn mit wüsten, deutlich unter der Gürtellinie platzierten Ausdrücken bedenke, sehen wir endlich ein Dach am Gipfel. Herzblatt kann es sich nicht verkneifen und sagt Ich hab' Dir ja gleich gesagt, dass wir bald oben sind. Lieber Gott, an dieser Stelle will ich Dir für die Selbstbeherrschung danken, mit der Du mich ausgerüstet hast. Ohne Dich würde Herzblatt nun zerschmettert und von Ameisen und Ratten angenagt am Fuße eines Berges liegen. Wie dem auch sei. Nachdem ich die ca. 50 Menschen, die oben in der Sonne sitzen, darüber in Kenntnis setze, dass ich sowohl sie als auch den Höllenberg, auf dem wir uns befinden, hasse und uns allen Lawinen und Meteorschauer wünsche, werde ich von Herzblatt am Kragen in ein stilles Eck gezerrt und mit Futter versorgt. Immerhin. Nachdem sich mein cholerisches Gemüt beruhigt, machen wir uns an den gemütlichen Teil dieses Höllentrips und laufen über den Kamm des einen Berges zur Spitze des anderen Berges. In die Länge gezogen wird das Ganze nur dadurch, dass ich bei ungefähr jedem zweiten Schritt stehenbleibe um a.) die wirklich wunderschöne Aussicht zu fotografieren oder b.) hysterisch zu verkünden, dass ich sicherlich jeden Moment von einer im ungemähten Gras hausenden Schlange gebissen werde. Bemerkens- und dankenswerterweise werde ich aber nicht gebissen. Das nächste Unglück ist aber trotzdem nicht fern, denn meine Beine kapitulieren fast vor der Strasse rauf zur Pension. Das Schnitzel am Abend habe ich mir redlichst verdient.

Sonntag: Ungeachtet der gestrigen Strapazen und im Sinne eines gesunden Lebenswandels stehen Herzblatt und ich um dreiviertel 9 auf. Nach dem Frühstück und dem gefassten Entschluss, den heutigen Tag gemütlich zu verbringen, schleife ich Herzblatt illegalerweise quer über den von der Pension nicht unweit gelegenen Golfplatz, und dort zu beschliessen, den nächsten Berg zu besteigen. Womit ich allerdings nicht rechne, ist der Zuckerschock, dem Herzblatt mitten im Wald, fernab jedweder Zivilisation, erliegt. Panisch werfe ich mich auf der Suche nach Him- und Erdbeeren ins Gebüsch und überlege, ob ich im Falle einer herzblättrigen Ohnmacht die Bergrettung, deren Nummer ich nicht habhaft bin, oder meine Mama alarmieren soll. Nachdem ich den halben Wald rode, zumindest was seinen essbaren Teil angeht, kehrt gottseidank ein Fünkchen Farbe in Herzblattes Gesicht zurück. Gut so, denn ich habe keinen Empfang, wodurch sich die Abschiebung eventuell notwendiger lebensrettender Massnahmen auf andere, autorisierte Stellen als relativ schwieriges Unterfangen herausgestellt hätte. Das Schnitzel am Abend haben wir beide verdient.

Montag: Angesichts der Tatsache, in einigen Stunden wieder im Zug heimwärts zu sitzen, breche ich beim Frühstück in Tränen aus. Übrigens, Dorothy und Rose, ich werde Euch vermissen.
Nachdem ich Herzblatt noch meinen Bach zeige, den ohne Übertreibung schönsten Bach der Welt, geht es an's Packen. Unsere motorischen Fähigkeiten sind zwar ob der vergangenen Strapazen etwas eingeschränkt, aber da ich sowieso nie ordentlich packe, wenn ich von woauchimmer zurückkomme, macht das nichts. Im Zug heimwärts, beziehungsweise beim Umsteigen, pöble ich ob der Trauer, wieder nach Hause zu müssen, in gewohnter Manier noch ein bisschen herum, allerdings nur halbherzig, denn eigentlich will ich lieber schlafen. Was ich zu Hause, unterstützt von Herzblatt, der meinen Rücken krault, auch tue. Und um es in aller Deutlichkeit mal zu sagen: Wien, ich hasse Dich!

Und noch was: Herzblatt, ich liebe Dich!

Samstag, 10. Juni 2006

My private L-Word

Wenn ich jemals eine lesbische Beziehung eingehen würde, dann nur mit Dir.

Dienstag, 14. Februar 2006

My Funny Valentine

Wie der geneigte Leser bereits weiss, stehe ich unheimlich auf kommerzdominierte, kapitalistisch ausgerichtete (Feier-)Tage. Mit dem Valentinstag ist es aber so eine Sache. Wir sind sowas wie Hass-Freunde, er und ich. Natürlich träumt jedes kleine Mädchen von tausenden roten Rosen und Liebesbriefen von anonymen Verehrern (oder im Idealfall vom aktuellen Angebeteten). Wenn die kleinen Mädchen nun aber unglücklich (und ich meine wirklich sowas von unglücklich) verliebt sind, entwickelt sich dieser Tag zu einem sadomasochistischen Spiessrutenlauf. Ich weiss, wovon ich rede. Ich war bis vor 22 Monaten Dauer-Single und dauer-unglücklich verliebt, wobei das jeweils aktuelle Objekt meiner Begierde monatlich bis jährlich wechselte. Und wie das nun mal so ist, wenn man unglücklich verliebt ist, wartet man wider besseren Wissens den ganzen Tag lang auf einen Anruf. Auf den einen Anruf, besser gesagt. Und da kann einem das grosse Mädchen im Kopf noch so oft versichern, dass man umsonst wartet; man wartet weiter. Ich für meinen Teil habe Jahr für Jahr noch um 23.59 Uhr kuhäugig das Handy-Display angeglotzt und unsinnige Mantren vor mich hingemurmelt. Geendet hat das Ganze dann meist in den Morgenstunden, mit viel Alkohol und noch mehr Tränen im Arm der einen oder anderen Besten.
Der schlimmste Valentinstag war vor zwei oder drei Jahren. Ich möchte bitte anmerken, dass ich nicht übertreibe, obwohl ich das besser tun sollte, denn ich schäme mich bis heute dafür. Jedenfalls haben die Kassa-Tanten irgendeines Supermarktes am Valentinstag jedem Kunden einen kleinen Strauss Rosen überreicht. Ich habe das zuerst gar nicht so mitbekommen, weil ich in Gedanken gerade damit beschäftigt war, diverse Er-ruft-doch-an-Szenarien durchzuspielen; man muss ja für den Notfall gerüstet sein. Ich glaube, es war zwischen Schmor' in der Hölle, Du blödes Arschloch, ich hab' was Besseres als Dich verdient und Du musst nicht vor mir niederknien, ich liebe Dich doch auch, als mich ein quietschiges Schönen Valentinstag aus meinen Tagträumen riss und mir die Kassa-Tante mit oben erwähntem Strauss Rosen fast das Gesicht zerkratzt hätte. Ich habe sie und die Blumen dämlich angeglotzt und bin dann dort an der Kassa in Tränen ausgebrochen, weil mir klar geworden ist, dass mir der einzig zu erwartende Blumenstrauss eben von einer schlechtgelaunten, unterbezahlten Aushilfskraft überreicht wurde. Ich weiss bis jetzt nicht genau, was schlimmer war: die Tatsache, dass ich mir vor so vielen Fremden so viel Blösse gegeben habe, oder die mitleidig-amüsierten Blicke der vielen Fremden.
Wie dem auch sei, heute ist alles anders. Heute gibt es ein Herzblatt. Nur hat sich mit Herzblatt auch meine Einstellung zum Valentinstag radikal geändert. Er ist mir ziemlich egal geworden. Letztes Jahr, an unserem ersten "gemeinsamen" Valentinstag, war ich mit Freundinnen im Restaurant mit den besten Muscheln in Weissweinsauce und bin irgendwann nach Mitternacht nach Hause gekommen. Wo Herzblatt war, weiss ich nicht. Interessierte mich auch nicht besonders, um ehrlich zu sein. Natürlich fand ich es niedlich als er irgendwann um zwei Uhr morgens mit einer roten Rose in der Hand vor meiner Tür gestanden ist, aber darauf hätte ich auch verzichten können.
Heute arbeiten wir beide. Ok, als ich das erfahren habe, war ich schon ein bisschen angepisst, aber im Prinzip nur, weil ich einen Vorwand brauche, um einen Tag mehr faul im Bett rumzuliegen, DVD's zu kucken und mir von Herzblatt den Rücken kraulen zu lassen. Und das ist auch gut so. Ich bin ein soziopathisches, egoistisches Arschloch, und diese romantischen Gefühle, die sich meiner kalten, lieblosen Seele bemächtigt haben, waren irgendwie unangebracht, auch wenn sie sich nur auf den 14. Februar beschränkten. Aber jetzt wissen wir's: Romantik ist nur schön, so lange man sie nicht hat. Sobald man sie haben könnte, will man einfach nur den Rücken gekrault bekommen und ansonsten seine Ruhe haben.

Schönen Valentinstag

Donnerstag, 8. Dezember 2005

In aller Deutlichkeit:

Ich habe die allerbeste Familie auf der ganzen Welt. Ganz ehrlich. Und jeder, der glaubt, dass seine sie übertreffen könnte, der irrt ganz gewaltig.

Samstag, 15. Oktober 2005

Darf ich vorstellen:

fluffyzerstrer0eo1

Harte Jungs

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Schwanzvergleich und so

Durchsage

Sollte sich jemand ob meiner Worte an's Bein gepinkelt fühlen, darf er mir das hier mitteilen und ich werde mir überlegen, ob ich etwas dagegen unternehmen will. Mit den Inhalten verlinkter Seiten habe ich nichts zu tun, und auch sonst lehne ich es ab, für irgendetwas zur Rechenschaft gezogen zu werden. Übrigens werde ich ganz sicher nicht meinen Namen hier reinschreiben. Genauso wenig wie meine Adresse, mein Geburtsdatum, meine Augenfarbe oder meine Lieblingsstellung. Ich mache das hier nämlich nur zum Spass. Mehr habe ich im Moment nicht zu sagen. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Online seit 1038 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 30. Jun, 18:08

Bezauberndes
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