Von Jobs, Geld, platonischer Liebe und der Tatsache, dass ein Klo nicht der geeignetste Ort ist, um Freundschaft mit Politikern zu schließen
Nachdem ich wochenlang nichts getan als gearbeitet habe - so ein Zweitjob hat es in sich, das weiss ich jetzt - verspürte ich letzte Woche endlich wieder den Drang, Freundschaftspflege zu betreiben, um auf unserer mädcheninternen Beliebtheitsskala wieder ganz nach oben zu schießen. Ich muss gestehen, ich habe meine Freundinnen gehasst. Ich habe streng genommen jeden Menschen gehasst, aber das darf man nicht persönlich nehmen. Wenn man zu den Leuten gehört, für die der Inbegriff eines aufregenden Tages das Wechseln der TV-Sender ist, dann kann es schon mal passieren, dass man sich wochenlanger Arbeit in eine soziale Müllhalde verwandelt. Kurz gesagt, ich hatte einen Haufen Kohle, aber keine Freunde, zumindest fast. Nicht, dass es andersrum irgendwie besser wäre; 1000 Punkte auf der Beliebtheitsskala nützen mir auch nichts, wenn ich verhungere, aber das will ich jetzt nicht näher ausführen. Fakt ist, ich will Kohle und geliebt werden. Letzten Freitag jedenfalls wurde mir klar, dass ich bald wirklich ohne Freunde dastehe, wenn ich die Einladung einer der vielen Besten zum etwa 538. Mal in vier Wochen ausschlage, um stattdessen meine Beziehung zum Fernseher zu intensivieren, die wegen der ganzen Arbeit ohnehin schon Schaden genommen hat. Trotz Kopfweh und schmerzenden Füßen machte ich mich also auf, um meine Freundinnen an meine Existenz zu erinnern. Aus Rücksicht auf meine Beziehung werde ich auf diesen Abend nicht näher eingehen, aber hey. Ich hab's noch drauf, trotz drei flirttechnisch unspektakulären Jahren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Nachdem jedenfalls mein Streben nach platonischer Liebe wieder erblüht ist, ließ ich es mir auch nicht nehmen, das arbeitsreiche Wochenende im Lokal, in dem mir Bier bringt, ohne dass ich es bestellen muss, mithilfe einiger der vielen Besten zu begießen. Nachdem wir das ganze Lokal von unserer Anwesenheit in Kenntnis gesetzt haben - wir können zuweilen sehr laut lachen - bemerkte ich mit Schrecken, dass der Klubobmann einer bekannten österreichischen Partei rechts hinter uns saß. Da war mir das Gekichere sehr peinlich, nicht zuletzt, weil ich ihn liebe. Er hat mir mal vor ein paar Jahren seine Jacke angeboten, als ich verfroren und nassgeregnet durch die Straßen lief, und seitdem gehört ihm mein Herz. Ich mahnte also zur Ruhe, aber man kennt das ja. Als könnten sich vierversoffene blendend gelaunte junge Damen zusammenreissen. Nach ca. einer halben Stunde packte der arme Mann, der zweifellos den meisten Lärm abbekommen hatte, seine Sachen und Begleiter und verschwand. Nicht ohne sich zuvor von der coolsten Ministerin der ganzen Welt zu verabschieden, die, man glaubt es kaum, links hinter uns saß. Ja, mein Lokal wird von Prominenten und Politikern bevölkert. Ich habe die arme Frau dann auf's Klo verfolgt, wo ich ihr eigentlich euphorisch die Hand schütteln wollte, um anschließend die anwesenden Kinder zu knebeln und auszusperren und mir bei einem großen Bier einen Schweinebraten mit ihr zu teilen (und sollten Sie das lesen, Verehrteste, verklagen Sie mich bitte nicht; mein parasitäres Studentendasein verbietet mir Ausgaben in der Größenordnung einer Klage wegen übler Nachrede, da ändert auch ein zweiter Job nichts) aber soweit kam es nicht. Nüchtern genug um einzusehen, dass sie wohl nur ihre Ruhe haben wollte, verpisste ich mich - welch Wortspiel! - wieder an meinen Tisch und beließ es bei verstohlenen Blicken und einer lautstark losgetretenen Diskussion über die nervtötende Komasaufen-Medienhetze, das Tourette-Syndrom und die Erörterung der Frage, warum Kondome cool sind. Sie hat mich übrigens später angelächelt. Vielleicht will sie ja unsere Freundin sein. Sollte ich sie je wieder sehen, werde ich sie fragen.
Gut. Da es spät ist und alles, was ich anbringen wollte, angebracht ist, gehe ich nun schlafen. Verdientermaßen, wie ich meine. Gute Nacht.
Nachdem jedenfalls mein Streben nach platonischer Liebe wieder erblüht ist, ließ ich es mir auch nicht nehmen, das arbeitsreiche Wochenende im Lokal, in dem mir Bier bringt, ohne dass ich es bestellen muss, mithilfe einiger der vielen Besten zu begießen. Nachdem wir das ganze Lokal von unserer Anwesenheit in Kenntnis gesetzt haben - wir können zuweilen sehr laut lachen - bemerkte ich mit Schrecken, dass der Klubobmann einer bekannten österreichischen Partei rechts hinter uns saß. Da war mir das Gekichere sehr peinlich, nicht zuletzt, weil ich ihn liebe. Er hat mir mal vor ein paar Jahren seine Jacke angeboten, als ich verfroren und nassgeregnet durch die Straßen lief, und seitdem gehört ihm mein Herz. Ich mahnte also zur Ruhe, aber man kennt das ja. Als könnten sich vier
Gut. Da es spät ist und alles, was ich anbringen wollte, angebracht ist, gehe ich nun schlafen. Verdientermaßen, wie ich meine. Gute Nacht.
girl interrupted - 5. Jun, 02:27