Mein Zahn und ich
Letzten Freitag war es soweit. Nachdem ich seit kurzer Zeit dem ein und ein paar anderen Jahren nur noch auf der linken Seite kaue weil rechts ein Zahn wehtat, dachte ich vor zwei Monaten, das geht so nicht weiter, und besorgte mir die Nummer eines Zahnarztes, von dem mir gesagt wurde, dass er nicht zu diesen Spritze gibt's do net-Sadomaso-Schweinen gehört.
Ich rief also an und bereitete die Tante am Telefon vorsorglich darauf vor, dass ich mit Herzblatt im Schlepptau kommen würde; 1. weiss ich schon, dass ich alleine nicht mal die Zehenspitze auf den Behandlungsstuhl hieven würde, geschweige denn meinen Hintern; und 2. hatte ich Herzblatt in Verdacht, das letzte Mal vor einer Dekade eine Zahnarztpraxis von innen gesehen zu haben. Womit ich, der Vollständigkeit halber, falsch lag.
Vor drei Wochen rief die eine Beste an und heulte ins Telefon, sie hätte die ganze Nacht nicht geschlafen vor Zahnschmerzen, und ich soll doch bitte mal auch für sie einen Termin machen. Am besten am selben Tag und zur selben Uhrzeit wie ich. Und weil ich mir für nichts zu blöd bin, rief ich also da an und flötete in den Hörer, Guten Tag, mein Name ist XY, ich habe für meinen Freund und mich am 24. November einen Termin bei Ihnen und wollte fragen, ob eine Freundin auch gleich mitkommen kann. Schweigen am anderen Ende. Dann ein Räuspern, gefolgt von einem ungläubigen Sie wollen mir sagen, Sie kommen zu dritt?
Naja. Ja, wenn das geht.
Damit wir uns nicht missverstehen: Sie kommen zusammen mit ihrem Freund und einer Freundin? Und sie wollen alle behandelt werden?
Ja, Du dämliche Ziege, wir verstehen uns nicht miss. Ja, wenn Sie nichts dagegen haben.
Schweigen. Dann Lachen.
Ok, klar geht das.
Grossartig. Warum nicht gleich so? Danke. Wiederhören.
Ja. Und letzten Freitag war es wie gesagt soweit. Anfang der Woche begannen die Albträume und die Heulkrämpfe, die dann auch gleich mal bis Freitag anhielten. Sowohl die einen als auch die anderen.
Am Tag des Grauens betraten die eine Beste und Herzblatt das Stiegenhaus unklugerweise vor mir; das verschaffte mir Zeit für den Gedanken, dass ich hier absolut falsch aufgehoben wäre und da ich nun ohnehin nicht auf Schmerzen stehe, stahl ich mich auf Zehenspitzen hyperventilierend wieder raus auf die Strasse. Blöderweise schnappten sie mich während ich noch überlegte, ob ich nach links oder rechts laufen sollte, und eskortierten mich wieder hinein. Im Wartezimmer, zwischen Bohrer- und Absaugegeräuschen, packte mich das nackte Grauen und ich übertreibe zu meiner überaus grossen Schande nicht, wenn ich gestehe, mich wie eine Irre gebärdend geheult zu haben bis die Ordinationshilfe kam, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie das zusammengekauerte Häuflein Elend, das ich war, sah, besorgte sie eine Runde Beruhigungstabletten, weu so kömma Sie jo net behandln, net woa.Die blöde Kuh gab mir aber nur Placebos. Irgendwann tat sich das Tor zur Hölle zum Behandlungszimmer auf, der Teufel die Ärztin kam raus und verkündete mit bedeutungsschwangerer Stimme, dass ich nun an der Reihe wäre, mich in ihre Hufe Hände zu begeben. Während ich mich unter Würgen und Ächzen am Stuhl windete, fummelte sie in meinem Mund herum um mir hernach mitzuteilen, dass sie mir jetzt eine Spritze geben werde, da schon Menschen, die härter als ich im Nehmen sind, vor Schmerz aufgejault hätten. Na super. Sie fragte noch, ob ich Herzblatt dabeihaben wolle, aber mein Ehrgeiz war entfacht und todesmutig erwiderte ich, das schaffe ich auch allein. Sie packte die Spritze aus, ich verkrampfte mich wie Blade an der Stelle, wo Whistler ihm sein Serum verabreicht, und in dem Moment, da die Spritze mein Zahnfleisch berührte, schrie ich auf und hatte wohl Glück, dass die gute Frau starke Nerven hat und nicht vor Schreck wild in meinem Mund herumgestochen hat. Dabei wollte ich bloss Herzblatt rufen, der auch sofort reinkam und brav mein Pfötchen drückte, während die Ordinationshilfe mir die ganze Zeit über die freie Backe streichelte. Sehr nett, die Gute. Die Scheiss-Spritze tat dann auch gleich mal so weh, dass ich mir wünschte, sofort ohnmächtig zu werden, nur leider wollte sich niemand meiner erbarmen und mir mit einem Hammer auf den Kopf schlagen, weshalb Herzblattes Hand dran glauben musste. Ich kann verdammt fest zudrücken, wenn ich will. Nachdem sich die Schmerzen gelegt hatten, ging die Behandlung los, und ganz ehrlich: wenn man mir früher gesagt hätte, wieviel Spass das macht, hätte ich mein schmerzendes Zähnchen schon viel früher reparieren lassen. Ich weiss zwar bis heute nicht, ob das ok war, dass mein ganzes Gesicht bis spätnachts taub war, aber wäre ich Zahnarzt, ich würde mir jeden Tag selbst ein paar Spritzen verabreichen, so ein witziges Gefühl ist das.
So. Und jetzt reisse ich mir einen Zahn raus um bald wieder zum Zahnarzt gehen zu dürfen. Gute Nacht.
Ich rief also an und bereitete die Tante am Telefon vorsorglich darauf vor, dass ich mit Herzblatt im Schlepptau kommen würde; 1. weiss ich schon, dass ich alleine nicht mal die Zehenspitze auf den Behandlungsstuhl hieven würde, geschweige denn meinen Hintern; und 2. hatte ich Herzblatt in Verdacht, das letzte Mal vor einer Dekade eine Zahnarztpraxis von innen gesehen zu haben. Womit ich, der Vollständigkeit halber, falsch lag.
Vor drei Wochen rief die eine Beste an und heulte ins Telefon, sie hätte die ganze Nacht nicht geschlafen vor Zahnschmerzen, und ich soll doch bitte mal auch für sie einen Termin machen. Am besten am selben Tag und zur selben Uhrzeit wie ich. Und weil ich mir für nichts zu blöd bin, rief ich also da an und flötete in den Hörer, Guten Tag, mein Name ist XY, ich habe für meinen Freund und mich am 24. November einen Termin bei Ihnen und wollte fragen, ob eine Freundin auch gleich mitkommen kann. Schweigen am anderen Ende. Dann ein Räuspern, gefolgt von einem ungläubigen Sie wollen mir sagen, Sie kommen zu dritt?
Naja. Ja, wenn das geht.
Damit wir uns nicht missverstehen: Sie kommen zusammen mit ihrem Freund und einer Freundin? Und sie wollen alle behandelt werden?
Schweigen. Dann Lachen.
Ok, klar geht das.
Ja. Und letzten Freitag war es wie gesagt soweit. Anfang der Woche begannen die Albträume und die Heulkrämpfe, die dann auch gleich mal bis Freitag anhielten. Sowohl die einen als auch die anderen.
Am Tag des Grauens betraten die eine Beste und Herzblatt das Stiegenhaus unklugerweise vor mir; das verschaffte mir Zeit für den Gedanken, dass ich hier absolut falsch aufgehoben wäre und da ich nun ohnehin nicht auf Schmerzen stehe, stahl ich mich auf Zehenspitzen hyperventilierend wieder raus auf die Strasse. Blöderweise schnappten sie mich während ich noch überlegte, ob ich nach links oder rechts laufen sollte, und eskortierten mich wieder hinein. Im Wartezimmer, zwischen Bohrer- und Absaugegeräuschen, packte mich das nackte Grauen und ich übertreibe zu meiner überaus grossen Schande nicht, wenn ich gestehe, mich wie eine Irre gebärdend geheult zu haben bis die Ordinationshilfe kam, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie das zusammengekauerte Häuflein Elend, das ich war, sah, besorgte sie eine Runde Beruhigungstabletten, weu so kömma Sie jo net behandln, net woa.
So. Und jetzt reisse ich mir einen Zahn raus um bald wieder zum Zahnarzt gehen zu dürfen. Gute Nacht.
girl interrupted - 27. Nov, 23:33
Ausdruck: 1+ (mit Bienchen)
Und die doofen Bienen will ich auch nicht. (Sollte es jemand wagen, diese Diskussion hier fortzusetzen, wird er gelöscht. Ha. Hier herrscht KEINE freie Meinungsäusserung, es wird zensiert!)
Und ich bin gekränkt, Hase. Wirklich.
Zu unrecht, mein Kind. Es lag und liegt mir fern, Deine Gefühle verletzen zu wollen.