Bi-Linguistische Stolpersteine
Hmpf, wieder mal. Man stelle sich vor, seit knapp 20 Jahren weigere ich mich vehement, meine Muttersprache zu sprechen. Anfangs war meine Sichtweise und die damit einhergehende Argumentation, dass ich in einem deutschsprachigen Land Deutsch und nichts anderes sprechen will, aber diese Borniertheit möge man mir nachsehen, war ich doch erst knapp drei Jahre alt. Später dann lag mein Problem im logopädischen Bereich. Ich kann nämlich das R nicht rollen. Sage ich. Schwesterherz euphemisiert das mit "Du hast halt ein französisches R. Das klingt sowieso eleganter." So oder so, romanische Sprachen (bis auf französisch eben) hören absolut bescheuert an wenn ich mich unter ihrer Zuhilfenahme verständigen will. Das klingt in etwa so, wie sich der Durchschnittsösterreicher anhört, wenn er versucht, Englisch zu sprechen. Grausam. Fürchterlich. Schlimm. Eine Kakophonie des Grauens.
[Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich mich auch gegen die Versuche meiner Eltern, mir die französische Sprache näherzubringen, mit Händen und Füssen gewehrt habe. Da war ich zwar nicht mehr drei, sondern ein Teenager, aber während der ich-hasse-mich-und-alles-andere-auch-Phase, verharmlosend auch Pubertät genannt, sträubt man sich wie zehn Jahre davor auch gegen alles Autoritäre.]
Jedenfalls bereiste ich letzten Sommer das Land meiner Ahnen mütterlicherseits und kam mir ausserordentlich blöd vor. Weil dort lauter Verwandte ganz ausser sich waren, mich wiederzusehen und ich ihnen nicht mal sagen konnte, was die letzten Jahre so abging bei mir.
Und beim heurigen Blick in diverse Vorlesungsverzeichnisse fand ich ihn. Den Grundkurs. Und beschloss kurzerhand, meinen Alabasterkörper von jetzt an regelmässig zweimal die Woche dort hinzuschleppen.
Und jetzt zum eigentlichen Dilemma: ich erwähnte es bereits, das hinten gerollte R - oder um klugzuscheissern: der uvulare Vibrant - verkommt in meiner Gurgel zu einem jämmerlichen Krächzen. Einzig das R an den Zähnen, unter Linguisten liebevoll auch stimmhafter apikaler Vibrant genannt, wenn mich meine zwei Semester Sprachwissenschaft nicht täuschen, bringe ich - natürlich auch hier mit einigen Einschränkungen - zustande. Bis jetzt dachte ich, dass mir das herzlichst wenig bringt, da ich erst mein Gaumenzäpfchen zum Rollen bringen müsste, um nicht als Sprachlaie enttarnt zu werden. Aaaaber: das war falsch gedacht, wie mir Schwesterherz vor zwei Tagen mitteilte. Ich meine, das muss man sich mal vorstellen: ich nehme es in Kauf, jahrelang jedweder Kommunikation mit der Verwandtschaft aus dem Weg zu gehen, weil ich glaubte, es nicht auf die Reihe zu kriegen und dann sowas. Jetzt darf ich sechs Stunden pro Woche mit der Erlernung einer Sprache verplempern, die ich als Kleinkind perfekt beherrschte. Das ist sowas von umsonst. Das ist sogar sowas von verdammt umsonst, dass ich es kurzzeitig in Erwägung gezogen habe, mir sowohl Uvula als auch Zunge, und zur Sicherheit auch die Stimmbänder eigenhändig rauszureissen.
Wer braucht schon sowas wie einen Stimmapparat wenn man genauso gut bloggen kann.
[Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich mich auch gegen die Versuche meiner Eltern, mir die französische Sprache näherzubringen, mit Händen und Füssen gewehrt habe. Da war ich zwar nicht mehr drei, sondern ein Teenager, aber während der ich-hasse-mich-und-alles-andere-auch-Phase, verharmlosend auch Pubertät genannt, sträubt man sich wie zehn Jahre davor auch gegen alles Autoritäre.]
Jedenfalls bereiste ich letzten Sommer das Land meiner Ahnen mütterlicherseits und kam mir ausserordentlich blöd vor. Weil dort lauter Verwandte ganz ausser sich waren, mich wiederzusehen und ich ihnen nicht mal sagen konnte, was die letzten Jahre so abging bei mir.
Und beim heurigen Blick in diverse Vorlesungsverzeichnisse fand ich ihn. Den Grundkurs. Und beschloss kurzerhand, meinen Alabasterkörper von jetzt an regelmässig zweimal die Woche dort hinzuschleppen.
Und jetzt zum eigentlichen Dilemma: ich erwähnte es bereits, das hinten gerollte R - oder um klugzuscheissern: der uvulare Vibrant - verkommt in meiner Gurgel zu einem jämmerlichen Krächzen. Einzig das R an den Zähnen, unter Linguisten liebevoll auch stimmhafter apikaler Vibrant genannt, wenn mich meine zwei Semester Sprachwissenschaft nicht täuschen, bringe ich - natürlich auch hier mit einigen Einschränkungen - zustande. Bis jetzt dachte ich, dass mir das herzlichst wenig bringt, da ich erst mein Gaumenzäpfchen zum Rollen bringen müsste, um nicht als Sprachlaie enttarnt zu werden. Aaaaber: das war falsch gedacht, wie mir Schwesterherz vor zwei Tagen mitteilte. Ich meine, das muss man sich mal vorstellen: ich nehme es in Kauf, jahrelang jedweder Kommunikation mit der Verwandtschaft aus dem Weg zu gehen, weil ich glaubte, es nicht auf die Reihe zu kriegen und dann sowas. Jetzt darf ich sechs Stunden pro Woche mit der Erlernung einer Sprache verplempern, die ich als Kleinkind perfekt beherrschte. Das ist sowas von umsonst. Das ist sogar sowas von verdammt umsonst, dass ich es kurzzeitig in Erwägung gezogen habe, mir sowohl Uvula als auch Zunge, und zur Sicherheit auch die Stimmbänder eigenhändig rauszureissen.
Wer braucht schon sowas wie einen Stimmapparat wenn man genauso gut bloggen kann.
girl interrupted - 14. Okt, 10:53
gibts noch einen aspekt..
aber um himmels willen wie kanns sein, dass ich auf deutsch mitm R rollen kein problem hab und in der anderen schon ?
gibts dafür auch einen anderen fancybezeichnung ?
m-