Von Füssen und Nutten
Meine Füsse schmerzen, und diesmal haben weder Pumps noch Slings ihre Finger Absätze mit im Spiel. Meine neuen Sneakers sind schuld. Beziehungsweise ich, denn ich habe sie zu klein gekauft. Jedenfalls kann die Haut an der Ferse ganz schön schnell futsch sein, wenn man barfuss in zu engen Schuhen rumläuft, soviel weiss ich jetzt. Am nächsten Tag hatte ich zwar kleine Wunden an den Füssen, aber ich dachte mir, mit ordentlich Blasenpflaster drauf ist das kein Problem. Das war falsch gedacht, aber sowas von. Blöderweise habe ich nämlich den austretenden Pus (das deutsche Wort dafür ist ja wirklich eklig) mit Hydrokolloidgel (und immer schön die Gebrauchsanweisung lesen!) verwechselt und ausserdem irgendwie vergessen, das Zeug vor dem Schlafengehen runterzuziehen. Am nächsten Tag wusste ich dann, dass das ein Fehler war, denn das ganze Zeug unter dem Pflaster hatte beschlossen, sich liebzuhaben und miteinander zu verschmelzen und deswegen war gleich mal das nächste Riesenstück Haut im Arsch. Anstatt die schmerzenden Füsse hochzulegen und mich von Herzblatt bemitleiden zu lassen, musste ich dummerweise arbeiten. Ich dachte mir also, kein Problem, ich ziehe Flip Flops an, dann reibt da hinten nichts. Dass es genau in dieser Sekunde zu regnen anfing, muss ich vermutlich nicht extra erwähnen. Dass ich weder Desinfektionsmittel noch Pflaster oder sowas zu Hause hatte, wohl auch nicht. Nicht, dass mir das Zeug irgendwie weitergeholfen hätte, denn inzwischen hatte ich schon Angst, auch nur daran zu denken, mich selbst zu verarzten, aber trotzdem. Der Hypochonder von heute lässt sich von solcherlei Kleinigkeiten jedenfalls nicht abhalten. Er geht zum Onkel Doktor um die Ekelwunden fachmännisch verbinden zu lassen. Ich bin mir zwar selten dämlich vorgekommen, als ich zum Arzt reingegangen bin und gesagt habe Sie müssen mir bitte die kleinen Wunden da unten verbinden, ich hab' Angst davor, aber er war so nett und hat darüber hinweggesehen. Wobei er imho noch am liebevollen und sensiblen Umgang mit seinen Patienten arbeiten sollte. Als er nämlich mit einem Tupfer in der eitrigen Wunde herumstocherte und ich laut aufbrüllte, dachte der Gute gar nicht daran, sich zu entschuldigen, sondern sagte Beruhigen Sie sich, ich habe ja gesagt, dass es wehtun wird. Dafür hat er aber noch zwei schöne Verbände drangemacht und ich war glücklich. Komischerweise bin ich immer glücklich, wenn ich Bandagen trage. Ich schätze, das hört auf, wenn mir mal was richtig Schlimmes fehlt. Wie auch immer. Die blöden Wunden taten weh. Das taten sie auch noch am nächsten Abend, das hielt mich aber nicht davon ab, mit der einen Besten ins Lokal, in dem man mir Bier bringt, ohne dass ich es bestellen muss, zu gehen humpeln, um den dort anwesenden Besten sowie die Kellnerin, mit der ich bis jetzt nie was zu tun hatte (ausser, dass sie mir Bier bringt) zu überreden, noch tanzen zu gehen. Was wir auch taten. Erfahrungsgemäss schwindet der Schmerz mit zunehmendem Alkoholpegel, was die ganze Sache wesentlich angenehmer für mich machte, und als wir gegen fünf Uhr morgens rausgeschmissen wurden (nicht schlechtes Benehmen, sondern Feierabend), jammerte ich solange, bis ich die anderen überredet hatte, noch nicht nach Hause zu fahren. Da aber blöderweise nichts mehr offen hatte, beschloss der Beste, uns Mädels mal die Welt zu zeigen, und so gingen wir in eines dieser Lokale, wo nicht Türe aufgeht, wenn man reinwill, sondern erstmal eine Luke in der Tür, durch die man böse angekuckt wird. Irgendwie habe ich damit gerechnet, auf Kommando ein Codewort sagen zu müssen um reinzukommen. Zum Beispiel Schweinebraten. Oder so. Jedenfalls hockten wir uns da rein, um uns die ganze Zeit über von den anwesenden Nutten Damen und ihren Zuhältern mustern lassen zu müssen. Einer von den Zuhältern kam auch gleich rüber und bequatschte uns, nur ist bis heute unklar, was genau sein Begehr war. Ich persönlich bin der Meinung, er wollte uns die Nutte Dame, die an der Bar sass, andrehen, die eine Beste meint, er wollte sich selbst andrehen, der Beste ist überzeugt, für einen waschechten Zuhälter gehalten worden zu sein und dass der Kerl einen kleinen Plausch unter Kollegen halten wollte. Da mir aber keine dieser Optionen sonderlich wünschenswert erscheint, will ich nicht weiter darüber nachdenken. Ausserdem ist sonst auch nichts weiter Erwähnenswertes passiert. Nur meine Füsse tun noch weh.
girl interrupted - 16. Aug, 19:50