Freitag, 10. Februar 2006

Alkohol und Füsse

Nach dem vorgestrigen Ikea-Besuch kam ich unglücklicherweise auf die Idee, dem Lokal, in dem man mir Bier bringt, ohne dass ich es bestellen muss, einen klitzekleinen Besuch abzustatten. Genauer gesagt wollten Schwesterherz und ich bloss ein einziges Bierchen trinken und dann wieder nach Hause gehen, aber wir wissen alle wie das so ist mit Stammlokalen. Ich habe komplett vergessen, dass wir uns auf eines beschränken wollten und erhob deswegen auch keine Einsprüche, als plötzlich wie aus dem Nichts die zweite Runde vor uns stand. Dann tauchte ein Freund von uns samt seinem zuckersüssen Bruder und einem anderen unwichtigen Kerl auf, und naja, man kennt das ja. Ich wollte nicht asozial sein und deshalb stand dann bald das dritte Bier vor uns. Ich weiss ja jetzt nicht, wie das bei anderen Menschen so ist, aber ich bekomme mit zunehmendem Alkoholpegel immer unheimlich Lust zu tanzen, weswegen ich die Herren der Schöpfung solange malträtierte bat mitzukommen, bis sie mir meinen Wunsch zu erfüllen gewillt waren. Schwesterherz war nämlich schon dicht und müde und wollte nach Hause. Diese Memme.
Der Abend, bzw. die Nacht verlief nicht besonders spektakulär, weil man als Frau nicht wirklich angemacht wird, wenn drei betrunkene Kerle um einen rumstehen. Eigentlich nur zwei, denn der Dritte baggerte seinerseits ständig irgendwelche Semi-Schönheiten an, die er sich zuvor richtig schön gesoffen hatte. Weil aber sogar die ihn abblitzen liessen (an alle Männer: mit circa 23 Promille im Leib ist es keine gute Idee, Frauen mittels unkontrollierter Balztänze rumkriegen zu wollen icon_exclaim ), gab er irgendwann frustriert auf und erhöhte auf 33 Promille. Drei Mal darf geraten werden, wer ihn nach Hause schleppte. Ja, schleppte. Ja, ich. Als wir draussen waren, musste sein zuckersüsser Bruder noch Zigaretten holen, worauf es sich Casanova in Ermangelung einer anderen Sitzgelegenheit auf dem Gehsteig bequem gemacht hat und anfing, die Beine seines Freundes anzuspucken, der ihn unbedingt wieder in die Senkrechte hieven wollte. Mein Einwurf, er solle ihn doch bitte einfach in Ruhe lassen, weil er andernfalls vielleicht anfangen würde zu kotzen, wurde mit einem gelallten Was weisst denn Du schon.. der ist hart im Nehmen abgetan. Casanova fand es aber wirklich nicht so toll, dass da einer dauernd an ihm rumfummelte und lallte zurück Wenn Du mich nicht sofort loslässt, spuck' ich Deine Knie an. Also beschweren darf er sich nicht, er wurde gewarnt.
Wie dem auch sei, der zuckersüsse Bruder kam zurück und wir waren uns einig, dass ein bisschen frische Luft uns allen gut tun würde, deswegen war der Plan, zu Fuss nach Hause zu gehen. Er und der Kretin mit angespuckten Knien gingen also los und ich blickte etwas ratlos auf das Häuflein Elend, das da an der Wand gelehnt eingeschlafen war. Und weil ich kein Unmensch bin weckte ich ihn auf und schleppte ihn. Ungefähr zwei Kilometer lang, um realistisch zu bleiben (meinen Füssen nach zu urteilen mindestens zwanzig). Und dann ging ich, ökonömisch denkend, auch noch weiter zu Fuss zu mir nach Hause. Weitere 700 Kilometer. Auf 10 cm hohen Absätzen. Olé.
Wenn ich etwas hasse, dann sind das Blasen an den Füssen.

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