Du bist die Paris Hilton der Vergleichenden Literaturwissenschaft, sagte er, wohl in der Absicht, mich zu beleidigen.
Womit er nicht rechnete: ich finde das gut.
girl interrupted - 9. Jun, 22:04
Nachdem ich wochenlang nichts getan als gearbeitet habe - so ein Zweitjob hat es in sich, das weiss ich jetzt - verspürte ich letzte Woche endlich wieder den Drang, Freundschaftspflege zu betreiben, um auf unserer mädcheninternen Beliebtheitsskala wieder ganz nach oben zu schießen. Ich muss gestehen, ich habe meine Freundinnen gehasst. Ich habe streng genommen jeden Menschen gehasst, aber das darf man nicht persönlich nehmen. Wenn man zu den Leuten gehört, für die der Inbegriff eines aufregenden Tages das Wechseln der TV-Sender ist, dann kann es schon mal passieren, dass man sich wochenlanger Arbeit in eine soziale Müllhalde verwandelt. Kurz gesagt, ich hatte einen Haufen Kohle, aber keine Freunde, zumindest fast. Nicht, dass es andersrum irgendwie besser wäre; 1000 Punkte auf der Beliebtheitsskala nützen mir auch nichts, wenn ich verhungere, aber das will ich jetzt nicht näher ausführen. Fakt ist, ich will Kohle und geliebt werden. Letzten Freitag jedenfalls wurde mir klar, dass ich bald wirklich ohne Freunde dastehe, wenn ich die Einladung einer der vielen Besten zum etwa 538. Mal in vier Wochen ausschlage, um stattdessen meine Beziehung zum Fernseher zu intensivieren, die wegen der ganzen Arbeit ohnehin schon Schaden genommen hat. Trotz Kopfweh und schmerzenden Füßen machte ich mich also auf, um meine Freundinnen an meine Existenz zu erinnern. Aus Rücksicht auf meine Beziehung werde ich auf diesen Abend nicht näher eingehen, aber hey. Ich hab's noch drauf, trotz drei flirttechnisch unspektakulären Jahren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Nachdem jedenfalls mein Streben nach platonischer Liebe wieder erblüht ist, ließ ich es mir auch nicht nehmen, das arbeitsreiche Wochenende im Lokal, in dem mir Bier bringt, ohne dass ich es bestellen muss, mithilfe einiger der vielen Besten zu begießen. Nachdem wir das ganze Lokal von unserer Anwesenheit in Kenntnis gesetzt haben - wir können zuweilen sehr laut lachen - bemerkte ich mit Schrecken, dass der Klubobmann einer bekannten österreichischen Partei rechts hinter uns saß. Da war mir das Gekichere sehr peinlich, nicht zuletzt, weil ich ihn liebe. Er hat mir mal vor ein paar Jahren seine Jacke angeboten, als ich verfroren und nassgeregnet durch die Straßen lief, und seitdem gehört ihm mein Herz. Ich mahnte also zur Ruhe, aber man kennt das ja. Als könnten sich vier versoffene blendend gelaunte junge Damen zusammenreissen. Nach ca. einer halben Stunde packte der arme Mann, der zweifellos den meisten Lärm abbekommen hatte, seine Sachen und Begleiter und verschwand. Nicht ohne sich zuvor von der coolsten Ministerin der ganzen Welt zu verabschieden, die, man glaubt es kaum, links hinter uns saß. Ja, mein Lokal wird von Prominenten und Politikern bevölkert. Ich habe die arme Frau dann auf's Klo verfolgt, wo ich ihr eigentlich euphorisch die Hand schütteln wollte, um anschließend die anwesenden Kinder zu knebeln und auszusperren und mir bei einem großen Bier einen Schweinebraten mit ihr zu teilen (und sollten Sie das lesen, Verehrteste, verklagen Sie mich bitte nicht; mein parasitäres Studentendasein verbietet mir Ausgaben in der Größenordnung einer Klage wegen übler Nachrede, da ändert auch ein zweiter Job nichts) aber soweit kam es nicht. Nüchtern genug um einzusehen, dass sie wohl nur ihre Ruhe haben wollte, verpisste ich mich - welch Wortspiel! - wieder an meinen Tisch und beließ es bei verstohlenen Blicken und einer lautstark losgetretenen Diskussion über die nervtötende Komasaufen-Medienhetze, das Tourette-Syndrom und die Erörterung der Frage, warum Kondome cool sind. Sie hat mich übrigens später angelächelt. Vielleicht will sie ja unsere Freundin sein. Sollte ich sie je wieder sehen, werde ich sie fragen.
Gut. Da es spät ist und alles, was ich anbringen wollte, angebracht ist, gehe ich nun schlafen. Verdientermaßen, wie ich meine. Gute Nacht.
girl interrupted - 5. Jun, 02:27
Mein Eistee ist warm und ich bin zurück. Zugegebenermaßen nicht aus purem Enthusiamus, der mir aus allen Poren tropft, sondern weil gerade wichtigere Dinge anstehen, denen ich mich nicht widmen will, und irgendetwas muss man sich ja widmen. An dieser Stelle würde sich Herzblatt zwar wunderbar anbieten, aber der frönt mal wieder in einem anderen Staat seiner dämlichen Leidenschaft für dämliche Sammelkartenspiele. Und ausser dem hier habe ich alle möglichen Ablenkungen schon durch. Zum Beispiel einen Kurztrip nach Rumänien. Und Kurztrip ist beileibe nicht wörtlich zu verstehen, denn bevor ich das Flugzeug bestieg, galt es, mein Augenmerk zwecks Kurztrip-Vorbereitung auf die wirklich wesentlichen Dinge zu richten, u.a. die tägliche, wenn nicht sogar stündliche Erstellung von Dresscode-Listen für jeden auch noch so unwahrscheinlichen Anlass sowie die wirklich zeitraubende Suche nach perfekten Schuhen, die ich zwar nicht gefunden, dafür aber ein Vermögen für halbperfekte rausgeworfen habe.
Dann kam der Tag der Abreise. Nachdem Herzblatt mich telefonisch durch Check-In und Sicherheitskontrolle gelotst hat (ich bin lange nicht geflogen und dementsprechend desorientiert war ich leider auch) und nach einem kleinen Pläuschchen mit der Sicherheitstante, die sich jetzt hoffentlich gemerkt hat, dass ein BH-Bügel keine lebensgefährliche Waffe darstellt, erfreute ich mich im Flugzeug an meiner leeren Sitzreihe sowie den hüschen Stewards und verdächtigte den Kerl zwei Reihen vor mir, ein Sky-Marshal zu sein; leider fiel mir dann ein, dass wir in Österreich noch nicht so weit sind und kuckte stattdessen verzückt aus dem Fenster. Und ich wäre nicht ich, würde ich mich nicht auch Kilometer über dem Erdboden zum Vollidioten machen. Nach einem für meinen Geschmack unangemessen heftigen Ruck, dem der Inhalt meiner Tasche zum Opfer fiel (ich denke nämlich nicht im Traum daran, meine Tasche neben stinkenden fremden Taschen auf geschätzte 10 cm² zu quetschen), nach diesem Ruck jedenfalls hörte ich mich zu meinem Entsetzen wie einen orgastischen Werwolf aufheulen und merkte, als die Passagiere um mich rum interessiert zu mir rüber blickten, dass ich mich mit angezogenen Beinen in den Sitz krallte. Jetzt galt es, Schadensbegrenzung zu betreiben und meine Würde irgendwie wiederherzustellen. Alles in Ordnung, nur keine Panik, hörte ich mich daraufhin zu meinem noch viel größeren Entsetzen rufen. Ja. Würde. Nur darauf kommt es an.
Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich mich in Flugzeugen noch nie so schrecklich entwürdigend benommen habe, nicht einmal, als ich am Rückflug von New York die Klotüre nicht mehr aufbekommen habe und um 3 Uhr morgens wie bescheuert dagegenhämmerte, um die Stewardessen zwecks Hilfestellung aufzuwecken.
Wie dem auch sei, nach keinen weiteren Zwischenfällen kamen wir an und plötzlich hatte es 33 Grad. Damit und davon habe ich weder gerechnet noch in meinen schlimmsten Albträumen zu phantasieren gewagt, und angesichts meiner nicht eben zurückhaltenden, ständigen Klugscheisserei hoffe ich, dass dieser Satz den gängigen topo- sowie logischen Grundregeln entspricht und gerecht wird. Was auch immer. Ich war da, Mama auch, und bis auf einige hitze- und staubedingte Nervenkrisen war alles wunderschön (P.S.: Mami, ich hab' Dich lieb), weswegen Herzblatt sofort und unter Androhung von Liebesentzug bei Nichterfüllung dieses meines Herzenswunsches von mir verpflichtet wurde, im Sommer mit mir hinzufliegen um endlich bei meiner Familie vorstellig zu werden. Es ist ja ausserdem nicht so, als hätte er nicht auch etwas davon; wie ich ihn kenne, würde er es gar nicht mehr zum hoffentlich jetzt schon in Planung befindlichen Barbecue bei meiner Tante schaffen, weil sein Bauch angesichts des überdurchschnittlich großen, unterdurchschnittlich billigen Angebotes an wirklich leckerem Futter explodieren würde, während wir vom Balkon aus die Straßenhunde und den Polizisten von gegenüber mit Würstchen bewerfen (und das ist keine Ausgeburt meiner kranken Psyche; diesem Szenario durfte ich eigenäugig beiwohnen).
Whatever. Ich muss weg. Auf Wiedersehen.
girl interrupted - 19. Mai, 00:00
Ich bin der Mundl der asiatischen Küche, sprach Herzblatt, kratzte sich mit den Eßstäbchen unterm Arm und träumte verzückt von einem Leben als Bananenverkoster.
Etwas liegt in der Luft.
girl interrupted - 27. Mrz, 23:47
Irgendwann während der Zeit mit Herzblatt scheine ich mich tatsächlich in einen fast normalen Menschen verwandelt zu haben; nach dem Aufwachen ziehe ich als erstes den Vorhang zur Seite, um zu sehen, ob die Sonne scheint. Tut sie es, bin ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit glücklich.
Dummerweise scheint sich mein Layout (ich meine jetzt nicht irgendeine perverse Metapher für mein Leben, sondern das hier) den frühlingshaften Gefühlen, die sich meiner bemächtigt haben, nicht anpassen zu wollen; jeder Versuch, das Ganze etwas heller und fröhlicher (ich könnte kotzen. Ich verwende Wörter wie fröhlich) zu machen, scheitert aus einem mir weder bekannten noch nachvollziehbaren Grund.
Mit meiner irgendwann bereits erwähnten Frühlings-Diät lief es dieses Jahr auch nicht besonders; ich frage mich, wie ich mich grösstenteils von Erdbeeren ernähren soll, wenn die käuflich erwerbbaren Erdbeeren reif sind. Ich mag keine reifen Erdbeeren. Ich mag überhaupt keine reifen Früchte. Unreif, grün und hart schmeckt alles viel besser, egal ob Äpfel, Pfirsiche, Bananen oder eben Erdbeeren.
Mit der Optimierung meines Zeitmanagements läuft es nicht viel besser, weshalb ich mich in derselben misslichen Lage sehe, wie in den vergangenen 673 Semestern; im Klartext heisst das, ich habe für eine ganze Menge Arbeit nur sehr wenig Zeit, und ich frage mich ernsthaft, ob ich meinen Namen noch in diesem Leben mit einem akademischen Titel schmücken darf.
Aber, und das ist das Schöne an der Sache, das macht alles nichts, denn es ist Frühling, und das Leben ist eine Blume, die farbenprächtig und exklusiv für mich blüht. In diesem Sinne: Hascht mich. Ich bin der Frühling.
girl interrupted - 14. Mrz, 11:49
Erschreckt wird man passiv, erschrocken tut man aktiv.
Und nicht mal das ist richtig, egal, von welcher Seite man es betrachtet.
Ich kapituliere vor den geschätzten 574636453 Seiten, die das Skriptum umfasst, dessen Inhalt ich mir bis Freitag einzutrichtern habe. Ich kapitulierte auch, hätte es weniger, denn ich scheine dümmer zu sein, als ich dachte, und auf mein Kurzzeitgedächtnis ist seit langem Verlass mehr. Was ein Langzeitgedächtnis ist, habe ich bereits vergessen.
Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug dumm als wie zuvor!
girl interrupted - 6. Mrz, 21:46
Wenn man nicht hat, was man gern hat, muss man gern haben, was man hat. Das gilt auch für Ehefrauen.
Mit Dank an den besten Vater der Welt.
girl interrupted - 22. Feb, 18:29